Mmh, Mittelalter!

Ich bin flatterhaft, leicht zu beeindrucken und verliere gern mein Herz.
Also zeige ich True Blood eine leicht erkaltete Schulter, damit kennen sie sich doch aus (ja, es ist auch genug mit den Vampiren, mochte ich sowieso nie) und neige mein Haupt vor dem neuen König, wer auch immer es sein wird.
Ich habe True Blood immer noch gerne, kein Zweifel, aber es ist ein wenig kitschig und derart sexfokussiert, dass nach vier Staffeln bei mir ein unvermeidliches Sättigungsgefühl eingesetzt hat. Es ist ja noch ein bisschen Zeit sich zu erholen bis zur nächsten Staffel.

Zurück ins Mittelalter, also. Dort habe ich mich schon lange nicht mehr aufgehalten.
Die Fernsehserie Game of Thrones basiert auf dem ersten Teil der Fantasy-Epos-Reihe A Song of Ice and Fire von George R. R. Martin. Mitproduziert und -geschrieben von keinem anderen als David Benioff. Ich treffe einen alten Bekannten wieder, den Autor von Stadt der Diebe, ein Roman, der mir immens gut gefallen hat.

Wenn mich nicht alles täuscht, werden die nachfolgenden Staffeln weiter Game of Thrones heißen, ein ganz anschaulicher Titel, muss ich sagen. Trotzdem hat es bei mir eine Weile gedauert, bis ich angebissen habe. Ich hatte davon gehört, den Hype am Rande mitbekommen, dass ein so weltberühmtes und komplexes Fantasy-Epos verfilmt werden sollte, mich aber nicht sonderlich dafür interessiert. Es wirkte alles ein bisschen trocken auf mich, die Außenstehende.

Vor ein paar Wochen gab es Langeweile, und darauf folgte Lust auf eine nette Serie, ich erinnerte mich an Game of Thrones und zog mir die erste Folge rein.
Aha.
Oho.
Die Geschichte beeindruckte mich noch nicht, aber die Umsetzung der Serie. Exquisit! Allem voran die Stimmung, die Farben, die subtile Musik (Fantasy wird oft so überladen mit Musik!), die Knackigkeit der Dialoge und die Schauspieler.
Also, Mittelalter-Fantasy kann abgesehen vom Herrn der Ringe auch klug und überraschend, ästhetisch und wertvoll sein. Besonders wertvoll ist mir Tyrion Lannister, ein Charakter, klein von Gestalt, aber mit umso mehr im Kopf und auf der Zunge. Sowieso ist das eine Fantasy- und Mittelalter-Geschichte, die jeden ihrer Charaktere ernst nimmt, ob gut oder böse, ob Hure oder Kleinwüchsiger, und ihnen die Möglichkeit gibt, sich in jede Richtung zu verändern.

Ich bin gespannt auf die Drachen, und die „Anderen“, düstere Kreaturen aus dem kalten Norden, die in der zweiten Staffel eine größere Rolle spielen werden. Für eine Fantasy-Serie war in der ersten Staffel nämlich erstaunlich wenig Fantasy enthalten. Es ging vornehmlich um Intrigen und Herrschaftsansprüche zwischen den Häusern Stark und Lannister, und am Rande Targaryen, von dem es nur noch ein Geschwisterpaar gibt, das im Exil lebt. Außerdem tummeln sich einige wichtige Personen im eisigen Norden, wo eine hohe Mauer die Grenze zum Land der „Anderen“ markiert. Eine beeindruckende Mauer ist das, ich bin gespannt, wer oder was sich dahinter verbirgt.

(Übrigens: Die erste Staffel Game of Thrones war schnell durch, also schaute ich mich in die erste Folge der Serie Camelot rein – und hätte brechen mögen. So zum Vergleich. Da hat sich jemand wenig Mühe gegeben.)

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8 Kommentare

  1. Die Dame hier kommt mir doch bekannt vor. Auch ihre flatterhafte kalte Schulter und ihre wankelmütige Schwester erscheinen mir nicht fremd.

    Aber nun zum eigentlichen Thema, hast du die Bücher schon gelesen? Ich bin vor einiger Zeit darauf gestoßen und seitdem hocken sie da im Hinterkopf. Lediglich die Tatsache, dass die Serie noch unvollendet ist, schreckt mich noch ab. Kann nicht sagen, dass du mir bei diesen Ängsten bislang helfen konntest.
    Von der Serie habe ich kurze Zeit drauf gehört, stellt sich mir nun vor allem die Frage, wie nah ist denn die Umsetzung an den Büchern dran? Kann ich mir das überhaupt ansehen, wenn ich die Bücher noch nicht gelesen habe? Dass es sich lohnen könnte hast du ja bereits verraten und damit bist du bei weitem nicht die erste. Das macht das Ganze nicht weniger interessant, auch wenn ich mich von Serien eigentlich lieber fern halte. Die wollen diese regelmäßige Aufmerksamkeit, widerlich.

    Camelot ist mir vor ein paar Tagen auch zufällig unter die Augen gekommen – mit schwedischen Untertiteln. Habe vielleicht eine halbe Folge gesehen und irgendwie fand ich Artus spontan doof. Sein Handlungsstrang kam mir zu teenieserienmäßig rüber. Frau Green als Morgan le Fay fand ich hingegen spannend. Kann mir vorstellen, dass die als Böse was hermacht. Auch war ich überrascht, dass Fiennes Merlin darstellt. In der Kombi eigentlich überraschend gut besetzt.

    Wenn du noch eine Alternative suchst, eventuell ist das britische Merlin was für dich. Davon habe ich aber noch weniger gesehen, nämlich nur dass, was ich von der VFX Seite her über MakingOfs und Reels kenne. Es ist entsprechend davon auszugehen, dass die Serie kreaturenlastiger ist, als die andern beiden. Entsprechend gehe ich davon aus, dass es eher nichts für dich ist, aber urteile doch selbst.

    1. Der Hubertus! Freut mich sehr, dich hier zu treffen.

      Die Bücher habe ich noch nicht gelesen, sind aber im Kopf reserviert. Außer „Harry Potter“ fällt mir keine Fantasy-Reihe ein, die ich mit Genuss und übrhaupt zu Ende gelesen habe, deshalb erwarte ich viel.

      Arthur ist doof, die Musik ist doof und übersättigend, die Texte banal und die Figuren flach. Mag sein, dass sich das im Laufe der Serie bessert, aber mein Interesse ist gestorben.
      Von „Merlin“ habe ich, wie es der Zufall will, gestern eine ganz kurze TV-Vorschau gesehen, aber nur mit halbem Auge. Es kamen Drachen vor, na ja. Vielleicht, wenn mich die Langeweile packt … Aber das wird sie wohl kaum in nächster Zeit. Das Ende der Ferien naht.
      Serien sind gefährlich, wenn sie gut sind und viele Folgen haben. Dann verlangen sie ganz aggressiv nach Aufmerksamkeit, ja …

  2. Ja, eine tolle Serie! Zumindest eine tolle erste Staffel. Bis zur nächsten wird es ja leider noch eine Weile dauern, aber vielleicht gibt es im Zug von Game of Thrones ja mal ein paar weitere richtig gut gemacht Fantasy-Serien. Die fristen ja sonst ein sehr hässliches Rand-Dasein mit kleinem Budget und meistens auch ohne die A-Teams unter den Serienautoren.

    Apropos Autoren: Wenn Du Benioff so magst, hast Du denn dann 25th Hour gelesen/gesehen? Sehr, sehr empfehlenswert!

    1. Ich finde es gar nicht so schlimm, lange auf die nächste Staffel zu warten. Mehr darüber nachdenken, mehr darüber reden, sich mehr freuen. Häppchenweiser Genuss. Ansonsten würde ich alles auf einmal verschlingen, ich kenn mich doch.

      25th Hour sagt mir nichts, hört sich aber gut an, was ich gerade lese. Lieber Buch oder lieber Film? :)

  3. Ich habe den Film gesehen. Extrem gut besetzter Streifen mit vielen Schauspielern, die ich gerne sehe.
    Mir war nicht bewusst, dass es dazu einen Roman gibt, geschweige denn, dass der Herr Benioff dahinter steht, der mir ohnehin bis zu diesem Blogeintrag kein Begriff gewesen ist.
    Merke ich mir vor.

  4. So, habe City of Thieves jetzt durch und kann dir nur zustimmen: Geniales Teil. Danke, dass du mich darauf gebracht hast.

      1. Für Schätze in Form von lohnenden Buchtips bin ich immer zu haben. Aber wieso überhaupt nur vielleicht? Gib dir doch wenigstens einmal ein klitzekleines bisschen Mühe.

        Hier noch was zum Thema, bei dem mir gleich dein Blog in den Sinn kam: http://www.3dtotal.com/index_news_detailed.php?id=9922&type=2

        Und ich weiß, ich buddel wieder staubiges Zeugs aus, aber zu den Musikbeiträgen kann ich nicht viel Beitragen. Halte mich musikalisch zwar auch überall in Europa und stellenweise drüber hinaus auf, aber anders.

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