Wenn man Menschen das Wasser nimmt

Vor ein paar Wochen hab ich mir Und dann der Regen (También la lluvia im Original) angeschaut und war begeistert. Obwohl begeistert vielleicht nicht das richtige Wort ist, erschüttert und durch den Wind war ich danach.
Eine Gruppe spanischer Filmemacher will in Bolivien einen Film über Columbus drehen, wichtig dabei ist neben dem Eroberer auch die Figur des Bartolomé de las Casas, ein Priester, der sich für die Rechte der Indios einsetzte. Die Crew sieht sich bald vor einem Kooperationsproblem mit den Einheimischen, die sie gecastet haben, um die Ureinwohner zu repräsentieren, die von den spanischen Eroberern unterdrückt wurde. Bald wird klar, dass sich die Geschichte, die sie auf Leinwand bringen wollen, in ihrer Gegenwart wiederholt. Nicht nur werden die Schauspieler mit einem Hungerlohn abgespeist, auch von anderer Seite widerfährt ihnen Ungerechtigkeit. Die Regierung Boliviens hat das Wasser privatisiert, worauf die Bevölkerung mit heftigem Widerstand reagiert.
Viel mehr braucht über die Handlung nicht gesagt zu werden. Die Situation eskaliert irgendwann und es kommt zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen.
Es ist bemerkenswert, wie die beiden Handlungsstränge (der Filmdreh über die Unterdrückung der Indios und die gegenwärtige Ungerechtigkeit) zusammenlaufen, nachdem sie eine Weile parallel nebeneinander herliefen. Sie verflechten sich immer mehr, bis am Ende die Filmemacher in einer zwickmühlenartigen Situation stecken. Soll/Kann der Film weitergedreht werden oder soll man die Beine in die Hand nehmen und abreisen oder soll man den Menschen helfen, die einem mittlerweile näher stehen als lediglich engagierte Schauspieler?
Ich habe zwar einige heftige Filme gesehen, aber eine solche Anspannung und so reale Kriegsgefahr habe ich im Kino noch nie gespürt. Dazu kam die große Beklemmung, dass ich von dem bolivianischen Wasserkrieg vor diesem Film nie etwas gehört hatte. Dabei hat sich das Ganze im Jahr 2000 abgespielt.

Schade, schade allerdings, dass der Film auf Deutsch war. Einen spanischen Film auf Deutsch zu synchronisieren finde ich schon hart, aber bei Südamerikanern, bzw. „indios“ geht ein gewaltiger Teil der Stimmung verloren, wenn man sie auf Deutsch brabbeln hört.  Die beiden Sprachen sind derart unterschiedlich, dass es fast wehtut. Bei englischen Filmen hingegen finde ich es nicht so schlimm, wahrscheinlich weil sich Deutsch und Englisch eben sehr ähnlich sind, beides germanische Sprachen, und die Intonation, die Sprechgeschwindigkeit, die Aussprache sind sich ähnlicher als Deutsch und Spanisch.
Aber egal, ob Deutsch oder Spanisch: Dieser Film gehört gesehen.

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