Musikalische Reise ins spanische Amerika

Lasst uns einen kleinen Ausflug in einem Heißluftballon unternehmen, um der grauen Tristesse Deutschlands zu entfliehen. Wir wollen grüne Regenwälder atmen und unsere Augen an zerklüfteten Bergketten weiden …

José Larralde: Quimey Neuquén

Wir dringen in die Weitläufigkeit der Anden vor. José Larralde ist ein argentinischer Liedermacher, der mit dem Produzenten Pedro Canale, besser bekannt unter dem Namen Chancha via Circuito, den Klassiker aus den 1960ern Quimey Neuquén neu aufnahm und mischte. Daraus ist ein gänzlich anderes Stück geworden, das mir viel besser gefällt und auf mystische Weise durch die modernen Rhythmen die urtümliche Kraft des traditionellen Textes hindurchscheinen lässt.

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Ana Tijoux: 1977

In Chile begrüßt uns Ana Tijoux mit ihrem lakonischen gepfefferten Rap. Wer Breaking Bad geschaut hat, wird womöglich ebenso begeistert der Musik gelauscht, wie die Geschichte verfolgt haben. Ein erlesener Mix aus Weltmusik, Hip-Hop und Reggae aus allen Zeiten, darunter eben auch die französisch-chilenische Ana Tjoux. In 1977, dem Jahr der Schlange, erzählt sie die Chronik ihres Lebens als eine Reihe an Erfahrungen, an denen sie wächst.

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Los Mirlos: La danza de los mirlos und Eusebio y su Banjo: Mi morena rebelde

Mit ein paar cremigen Cumbias von der Compliation The Roots of Chicha – Psychedelic Cumbias from Peru geht es weiter. Cumbia ist eine Musikrichtung und ein Tanz aus Kolumbien. Wenn Cumbias laufen, kribbelts mir ganz schnell in den Beinen. Allerdings bevorzuge ich zum Tanzen die modernen Variationen.

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Lhasa de Sela: La Celestina und El Desierto

Wir nähern uns der mexikanischen Grenze. Lhasa de Sela war eine US-amerikanisch-mexikanische Sängerin, die leider viel zu früh verstarb. Sie hat uns einen kleinen Schatz ihrer wunderbaren Musik in Form der drei Alben La Llorona (1997), The Living Road (2003) und Lhasa (2009) hinterlassen. In ihren Liedern entdecken wir Einflüsse der mexikanischen Musik, des Klezmer und Gypsy-Jazz und ganz viel Gefühl und Weiblichkeit. Der Schatz ist zu klein, ihre Musik so groß!

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Calexico: Quattro (Gotan Project Remix) und Gypsy’s Curse

Calexico – der Name setzt sich aus „California“ und „Mexico“ zusammen und damit überqueren wir die Grenze von Lateinamerika in die USA. Die Band hat nun schon fünfzehn Jahre auf dem Buckel und veröffentlicht dieses Jahr ihr neuntes Album. Ihr Stil wurde als „desert noir“ bezeichnet, der Begriff erklärt sich am besten, wenn man ihre Musik einmal gehört hat. Latino-Groove, wie der Mariachi und die Cumbia, vereinen sich mit US-amerikanischem Jazz, Country und Alternative Rock zu einem exquisiten Tex-Mex-Sound. Übrigens: Calexico tut sich auch gerne mit Musikern aus aller Welt zusammen, zum Beispiel mit dem Gotan Project, einer Gruppe aus Frankreich, die dem Tango rhythmische Elemente aus Beats und Breaks unterjubelt. Sie haben ein Akkordeon, oh ja!

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Und zum Schluss, als wir schon die Rückreise angetreten haben, die nebelverhangenen Baumkronen der Regenwälder Perus und die grausame Schönheit der Wüste Mexikos hinter uns immer kleiner werden und die letzten Rhythmen der Cumbia-Trommeln verklungen sind, muss das kein Abschied sein. Ich lege denjenigen, die ihr musikalisches Herz in Südamerika gelassen haben, diesen Musik-Blog ans Herz: WORLD MUSIC – THE MUSIC JOURNEY – ein umfangreicher Katalog an auserlesener Musik querbeet durch die ganze Welt.

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6 Kommentare

  1. Für Musik habe ich nicht wirklich eine Youtube Favoritenliste. Von daher kann da auch keine Belastung entstehen. Was schon schwerwiegend belastet wurde sind die Kisten im Schrank die das Regal ersetzt haben. Was da punktuell dazu kommt ist inzwischen eher ein Tropfen auf dem heißen Stein.
    Ich muss zugeben, die von dir aufgeführten Stücke sind mir fremd, lediglich Calexico ist mir bekannt, was aber wohl auch an der scheinbar geringen Schnittmenge in Sachen Musikgeschmack zurückzuführen ist. Wobei sie womöglich gar nicht so gering ist. Vielleicht ist mein Spektrum trotz stetiger Erweiterung auch noch schlicht zu klein. Finden wir das durch eine weitere musikalische Reise heraus. Aber diesmal wird sie sprachlich nicht so eindimensional…

    Starten wir bei deinen Wurzeln, in Spa… Portugal. Wusstest du nicht, aber es ist wirklich so, vor allem, wenn man nicht gleich in der Sackgasse iberische Halbinsel festsitzen möchte. https://www.youtube.com/watch?v=MdI7OiKufp8

    Weiter geht’s nach Spanien, https://www.youtube.com/watch?v=E8GJDOvELrQ , die Atlantikküste hoch in die Bretagne https://www.youtube.com/watch?v=B7XrIbie3AY und auf einen Abstecher nach Hause, wenn auch mehr gestern als heute. https://www.youtube.com/watch?v=U_OJpblQ2SU

    Kurz in die Berge, bevor es wieder gen Süden geht. https://www.youtube.com/watch?v=0y3OjJ3ib0w Italien kann man auch schon mal sprachlos genießen. Diesen Herren kennst du bestimmt, vielleicht nicht zwingend beim Namen, aber seine Musik ist überall und dies ist eines seiner bekanntesten Werke. https://www.youtube.com/watch?v=b8SkX9CSJQo

    Vom Stiefel weg geht’s über die Adria nach Kroatien zu einer Dame die lange Jahre den oben aufgeführten Schweizern angehörte. https://www.youtube.com/watch?v=cmmG–LeEWg

    Genug vom Süden und auf gen Norden. Nur muss man ja erst mal durch Ungarn durch, lustige Gesellen… https://www.youtube.com/watch?v=9F7b4skyUy4

    Nach der langen Reise wird es Zeit für eine Pause und die Slowakei wird dreist verschlafen, um frisch in Polen es mal so richtig langsam anzugehen. https://www.youtube.com/watch?v=O8SW6tiveLM

    Die russische Enklave gestreift, https://www.youtube.com/watch?v=BIUji-zYNaQ geht es über die Ostsee nach Estland. https://www.youtube.com/watch?v=BNHZce1TCa8

    Schon wieder diese Russen, aber um über den Landweg nach https://www.youtube.com/watch?v=zAwcfVaanUM Finnland zu kommen geht es nun mal nicht anders. https://www.youtube.com/watch?v=PF-o4PUYVqc

    Jag älskar Sverige. https://www.youtube.com/watch?v=D_dJjJ2H-i4

    Norwegen ist auch mit vielen tollen Musikern gesegnet. https://www.youtube.com/watch?v=6dNLvOmQpyo

    Schauen wir kurz noch in England vorbei, https://www.youtube.com/watch?v=–wy8QmLlM8 , bevor wir uns im kalten, doch zauberhaften Island verabschieden. https://www.youtube.com/watch?v=XmGdSOhBx8E

    Sprachlich ein breites Spektrum. Das ein oder andre Genre habe ich dir vorenthalten, zum einen da ich dort wenig Gegenliebe erwarte, aber auch weil das englische doch sehr weit verbreitet ist.
    Den unten aufgeführten Blog werde ich mir noch genauer ansehen. Ich hoffe auf asiatische Klänge modern aufbereitet, am besten mit ein paar netten E-Gitarren. Bislang habe ich da nichts gefunden.
    Du bist am Zug.

    1. Ich hoffe, du hast nicht erwartet, dass ich postwendend von deiner musikalischen Reise zurückkomme und Bericht erstatte. Ein Monat, das ist ein realistischer Zeitraum für einen Europatrip.

      Ich höre heraus, dass du auf Flöten und E-Gitarren stehst – wie nennt man diese Musikrichtung? Folk Metal, oder so was? Dafür bin ich zwar nicht unempfänglich (wegen Folk), aber es ist mir doch oft zu kitschig (wegen Metal). Pathetische E-Gitarren und E-Bässe bringen in mir leider keine Saite zum Schwingen. Da bevorzuge ich doch meinen eigenen Kitsch. „Kitschig“ ist ja auch Ansichtssache. Einige meiner House-Lieblinge zum Beispiel sind für ihr Genre reichlich blumig, obwohl Andere das wohl als dumpf und grimmig bezeichnen würden.
      Was mich sehr begeistert hat: „Selig“ von Helium Vola. Wow. Das höre ich heute in Dauerschleife. Ist natürlich auch irgendwo kitschig, aber es hat Elektro statt Gitarren. :) Von denen hatte ich noch nie etwas gehört, ich bin gespannt, was die sonst noch drauf haben.
      Ska-P!
      Ska, Reggae – was fürs Tanzbein. Das ist toll für den Sommer und gute Laune, wenn es mal nicht Techno sein soll. Mit Ludovico Einaudi wiederum kannst du mich jagen, das ist nicht mehr kitschig, sondern schmalzig. Ich hege ein Misstrauen gegen moderne italienische Musiker. Zum Glück hat Spanien den Ska, sonst würden die bestimmt auch Gefahr laufen zu verschleimen. Tut mir leid, ich streite gerne über Geschmack. :) Aber du hast musikalisch schon meine Achtung erlangt, also erlaube ich mir eine kleine Tirade.
      Estland war cool. Ich mag Beatboxen und die Sprache. Die ist ja so ähnlich wie Finnisch, deshalb musste ich auch prompt an https://www.youtube.com/watch?v=OLSs7iH4l4k denken.
      Bei Finnland war es auch und vor allem das Filmchen, das die Atmosphäre getragen hat. Das Stück wäre als reines Instrumental toll oder mit einem richtig ausgebildeten Sänger. Der hat sein Handwerk leider nicht so ganz drauf. Schade. Aber ein schlimmer Faux-Pas: die Sonnenbrille. Also, echt. Lässiger sah der gute Mann damit sicherlich nicht aus. Und überhaupt, welcher Tote trägt eine Sonnenbrille?
      Die Franzosen mag ich! Deren tolle Sprache ist gut gemacht für diese Art von Musik. Bestimmt kennst du auch Babylon Circus. Am liebsten mag ich von denen „Sur la tête“, davon gibt es leider kein gescheites Video im Netz, und „Des fois“: https://www.youtube.com/watch?v=22jkdBFV2yg (Ein schönes Video, obwohl die Original-Version des Lieds besser ist. Aber auch das findet sich nicht im Netz.)

      Meine eigene Musik-Erforschung stagniert zurzeit, weil mein Verstärker seit … Ewigkeiten kaputt ist. Aber wenn ich umgezogen bin – in einem Monat – werde ich die Anlage vom L. krachen lassen.

      P.S.: Verzeih mir, dass ich deinen Kommentar gestaucht habe, aber WordPress meint es einfach zu gut mit den eingebetteten Videos und ich konnte die Ladezeit der Seite nicht mehr ertragen.

      1. Wie gewohnt antwortest du irgendwann zwischen jetzt und nie. Das erscheint mir auch für die Zukunft eine durchaus realistische Erwartungshaltung.

        Unter anderem mag ich Flöten und E-Gitarren. Streicher sind immer gern gesehen und (A-)Gitarren finde ich häufig sogar besser als das E-Pendant, sofern sie entsprechend gespielt werden. Deswegen mag ich unplugged Musik von Metal und Rockbands. Streicher und Akustik Gitarren finden sich bei Chamber. Geniale Gruppe. https://www.youtube.com/watch?v=5CyMFTiWHXc
        Das habe ich über den von dir verlinkten world music blog entdeckt und finde ich ziemlich cool: https://www.youtube.com/watch?v=Li58voy6xXM
        Generell bin ich für Instrumente empfänglich mit denen man nicht in fast jeder Band konfrontiert wird. Deswegen auch mein Interesse an der asiatischen Klangwelt. Das in einem rockigen Gewand, ob E oder A ist völlig egal, könnte schon richtig was her machen.
        Folk Metal, ja, genauso Folk Rock oder Folk, bevorzugt skandinavisch, keltisch/irisch/schottisch, russisch. Aber auch der Rest Europas weiß einiges zu bieten, leider scheinbar nicht in der gleichen Masse.
        Metal war das erste Genre das ich bewusst gern gehört habe. Wie bei so vielem gibt es dort eine Menge Subgenres, von denen ich einige gern höre, manche ganz okay finde und andere überhaupt nicht mag. In diesen Genres finden sich Bands, die sich mal besser mal schlechter in eine solche Schublade packen lassen, und von denen ich manche gern höre, manche ganz okay finde und andere überhaupt nicht mag. Überraschend, nicht wahr? Durch die Bank möchte ich aber vor allem Melodie. Einer der Gründe, warum ich mich mit Techno /Elektro und der Gleichen schwer tue, da der Fokus eben mehr auf dem Rhythmus liegt.

        Selig ist mir vor vielen Jahren auf einer CD begegnet, die ich mir geliehen hatte. Die CD war ganz nett, aber an diesen Song kam kein anderer dran. Auch im www ist mir bei überschaubarem Suchaufwand kein weiterer von Helium Vola begegnet, der mich gleichermaßen einfangen konnte.
        Eine Band die nicht ganz unähnlich ist und dir auch gefallen könnte ist Qntal. https://www.youtube.com/watch?v=JfAyj7rCmP0
        Qntal ist für mich etwas eingängiger, was in deinen Ohren womöglich gegen sie spricht.
        Bei Ska bin ich sehr wählerisch, Ska-P ist gut und das reicht mir, sofern du nicht mit was aufwartest, dass sie übertrumpft. Mit Reggae werde ich nicht so recht warm. Gentleman kann ich mir anhören, aber das ist eher die Ausnahme.
        Ich mag moderne Klassik/Filmscores sehr gerne. Das war früher auch perfekt um in Stimmung zu kommen, wenn ich schreiben wollte. Das geht von Trailermusik à la Two Steps From Hell, die einem ständig im TV begegnen, bis zu Einaudi und Ähnlichem. Generell sind aggressiv spielende Orchester was feines.

        Das nennst du eine Tirade? Sicher dass du wirklich schwanger bist? Scheint mir nicht schwanger genug. Aber gut, du darfst es zeitnah nochmal versuchen.
        Loituma ist mir schon vor Jahren begegnet. Generell habe ich vor gut 10 Jahren viel Zeit damit verbracht Musik im Internet zu finden, denn es stellte sich raus, dass es da viel, viel besseres gibt als ich zuvor per Mundpropaganda und Samplern kennenlernte. Seit dieser Zeit lagere ich CDs nicht mehr im Regal. Wer hat schon so viel Wand…
        Finnland? Du meinst Island. Klar ist das nicht der Sänger vor dem Herren. Für einen Ohrwurm hat es trotzdem gereicht. Das ganze Outfit haut mich nicht vom Hocker, aber mei, das ist ein Musikvideo, da gibt es noch ganz andere Sachen. Man muss der Schauspielerin aber Respekt zollen. In dem Fummel das Ding durch die Landschaft zu schleifen ist ne Aufgabe.
        Wie fandest du eigentlich Schweden? Dachte, dass dir das vielleicht gefallen könnte.
        Babylon Circus sagte mir noch nichts. Das ist auch nicht so recht meins, weiß aber jemanden, bei dem das sicher anders ist.

        Stauch die Beiträge ruhig zusammen oder erklär mir wie ich das selbst hinbekomme. Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass das alles eingebettet wurde. Ich dachte vielmehr, dass der Beitrag aufgrund der vielen Links erst von dir abgesegnet werden müsse.

        Es freut mich, dass da was für dich dabei ist. War mir da nicht sicher. Ich habe versucht zum einen Sachen raus zu picken, die dir gefallen könnten, die du so womöglich noch nie gehört hast(Ungarn) und die sprachlich passten. Entsprechend war die Auswahl schnell runter gebrochen.

        Da du nun bekannterweise Folk magst kann ich dir noch das ein oder andre empfehlen:

        https://www.youtube.com/watch?v=bKBV2W6YIHg – Skyclad gilt als eine der ersten Folk Metal Bands. Das ist einer der softeren Songs mit dem früheren Sänger. Mir ist keine andere Band mit einer solchen Dichte an guten Texten begegnet. Puns sind toll. https://www.youtube.com/watch?v=19f9Ds45fSE

        https://www.youtube.com/watch?v=Ufk7uoVyOMI – Eluveitie habe ich dir in der Schweiz schon vor die Nase gehalten, aber deren Akustiknummern sind einfach schön. Die Härte variiert, je nachdem wie viel E-Gitarren verwendet werden und wer singt. Sie haben bislang ein Akustikalbum veröffentlicht und bei Branâ Keternâ treffen sich viele von Eluveitie wieder um „reinen“ Folk zu machen. Den Eluveitie Folk finde ich aber besser. https://www.youtube.com/watch?v=dmYa7nauSA4, https://www.youtube.com/watch?v=gJ_jfRtiYog.

        So, reicht erst mal. Das ist ein Teil von dem was ich sehr mag. Wenn du mir ein paar mehr Parameter lieferst, kann ich dir eventuell was liefern, was besser auf dich zugeschnitten ist. Wenn du was hast, mit coolen Instrumenten und Melodie und so, zeig her.

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