„Die Welt ist mir zu viel“ (ZEITMAGAZIN N° 1/2015)

Entschleunigung-DieWeltIstMirZuViel

Woher kommt dieser Wunsch nach (Realitäts-)Flucht, nach radikaler Entspannung und Höhlenbau? Ist unsere Zeit wirklich so viel schrecklicher als die unserer Eltern und Großeltern? Es ist interessant, welche kleinen Verschiebungen von Ideologien, Zukunftswünschen, Ängsten und Selbstwahrnehmung, von all diesen inneren und äußeren Faktoren einen aktuellen „Lebenstrend“ bestimmen.

Ich sehe mich heimlich danach, auch den magischen Satz zu sagen: „Ich habe mein Leben entschleunigt.“, aber ich will mich nicht in einer heimeligen Trance verlieren. Ich bin davon überzeugt, dass es der Arbeitsmoral und dem Konsumverhalten der kapitalistischen Welt nicht schaden würde, auf die Bremse zu treten, bescheidener, nachhaltiger zu werden und die Arbeit nach dem Menschen auszurichten, nicht andersherum. Entschleunigung also gerne und dringend für bestimmte Bereiche des Lebens, aber bitte kein Verschließen der Augen vor den Geschehnissen in der Welt.

„Und wie liest du die Zeitung?“ hieß ein Text in der dritten Ausgabe von Flow. Darin beklagt die Autorin, dass sie nach der Lektüre von Artikeln, die von Geschehnissen außerhalb des Flow- Kosmos handelten, stets „gedämpfter Stimmung“ sei. „Amokläufe, Erdbeben und der Dow-Jones-Index auf Talfahrt. Egal welche Zeitung man aufschlägt, sofort sind wir mit beängstigenden, brutalen oder traurigen Nachrichten konfrontiert“, beschwert sie sich. „Auch wenn wir eigentlich fröhlich und entspannt mit einer Tasse Kaffee am Küchentisch sitzen.“ Ja, und auch über Kämpfe, Kriege und Seuchen, über Tote vor Lampedusa und in Kobani wird ständig berichtet, ließe sich die Klage erweitern.
Die Flow-Autorin rät, die negativen Seiten des Lebens zu übertünchen und in einem Heftchen glückliche Momente zu notieren, zum Beispiel: „Ich hatte ein schönes Gespräch mit meiner Freundin; meine Tochter hat eine Zwei in Erdkunde; ich bin froh, dass ich gesund bin.“

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2 Kommentare

  1. Hallo,

    ich hab mir jetzt nicht den gesamten Artikel durchgelesen, aber ich glaube, ich hab die Kernidee begriffen.
    Ich hatte die letzten drei Jahre einen Job, bei dem ich den ganzen Tag stehen musste. Am Abend war mir dann nur noch nach einem heißen Bad und einem Bett. Seit ein paar Wochen allerdings habe ich einen Bürojob, bei dem ich den ganzen Tag am Computer sitze. Jetzt bin ich abends zwar auch müde und geschlaucht, aber der Drang etwas Sinnvolles zu tun ist in letzter Zeit ziemlich groß. Und wenn es nur der Abwasch, die Wäsche oder Staub saugen ist. Ich habe keine Lust auf Nachrichten oder private Emails oder die Welt. Ob virtuell oder nicht. Ich weiß nicht, ob das jetzt schon zu Entschleunigung zählt oder zum Willen mal zu entschleunigen.
    Vielleicht liegt die ganze Sache gerade daran, dass wir zu einfach an Informationen kommen. Einmal aufs Smartphone getippt, schon hat man die ganze Welt in den Händen. Vielleicht ist der Fortschritt einfach zu schnell gekommen und unser Körper und unser Geist kommt mit dieser Art von Schnelllebigkeit nicht mit.
    LG, m

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