noir

NOIR: Ein Geistermädchen in Berlin

Ich hatte immer viel übrig für Jenny-Mai Nuyens Geschichten. Hier fand ich, was ich bei vielen anderen bekannten Fantasy-Autoren oft vermisse: Kluge Plots, die immer einen aktuellen Bezug zu unserer Welt und Gesellschaft haben, glaubwürdige, weder-gut-noch-böse Charaktere und eine wunderschöne geschriebene Sprache. Viele Fantasy-Autoren, deutsche wie amerikanische, ersticken an ihrem kommerziellen Erzähl-Brei, wo der Plot schon auf dem Klappentext vorhersehbar ist, die Charaktere dumpf allen Klischees entsprechen, die Dialoge so abgedroschen und flach sind, ebenso der Humor, dass es eine Schande ist. Jenny-Mai Nuyens Geschichten waren da immer anders, direkt aus dem Herzen geschrieben. So auch NOIR. Nie ahnt man, wohin einen die Geschichte weiter trägt und wie sie enden könnte.
Waren Jenny-Mai Nuyens Romane bisher in Fantasy-Welten aus vergangenen Zeiten angesiedelt, so spielt NOIR im Diesseits, es könnte unsere Welt, es könnte unser Berlin sein. Junge Leute, Drogen, Partys, Sex, das alltägliche Leben und ein bisschen Magie. Geister, ein geheimnisvoller Mann, ein noch geheimnisvolleres Mädchen …
Ich möchte hier keine Inhaltszusammenfassung geben, die kann man woanders nachlesen, sondern meine Faszniation für diese Geschichte ausdrücken. Wer düstere, romantische, aber völlig kitschfreie Urban Fantasy liebt, dem wird dieses Buch gefallen. Wer damit leben kann, dass nicht alle Geheimnisse aufgelöst werden, die Geschichte kein allzu kuscheliges Happy End nimmt und dass nicht alles auf der Welt gut wird, nur weil Nino Sorokin und Noir aufeinander treffen, der wird dieses Buch vermutlich sogar lieben. Ich hatte bereits vermutet, bevor ich das Buch in Händen hielt, dass die Autorin hier in anderen Gefilden schwimmen würde. Es ist ein bisschen Zeit seit ihrer letzten Veröffentlichung vergangen, der zweite Teil einer Trilogie, die nicht vervollständigt werden sollte, und die Autorin hat einen großen Entwicklungsschub getan. Schriftstellerisch wie auch persönlich, möchte man meinen. Da ich nur ein wenig älter als sie selbst bin, konnte ich diese Entwicklung sehr gut nachempfinden, als ich diese beim Lesen von NOIR bestätigt sah.
Wie schon gesagt, ich bin vor allem in oben genannten Punkten von Jenny-Mai Nuyens Schreibkunst überzeugt, und so hat sie mich auch mit diesem Roman restlos begeistert. NOIR ist eines meiner „Lieblingsbücher“ geworden, etwas, das mir schon lange nicht mehr widerfahren ist.

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Autsch

Welch grausiger Fauxpas, die talentierte Jenny-Mai Nuyen mit dieser Frau zu vergleichen. Die Peinlichkeit ereignet sich auf der Website von 1LIVE, die scheinbar wenig Ahnung von Fantasyliteratur haben. Oder einen ganz üblen Geschmack.

Ich hab sofort nach einer Kommentar-Funktion gesucht, um jemanden dort kräftig anzufahren, aber die gibt es leider nicht, also muss ich auf diesem Wege meinem Missfallen Luft machen, damit die Welt mit mir vor Empörung aufschreit.
Die Sendung werde ich mir natürlich trotzdem anhören …