junge deutsche autoren

Geh nicht zu tief hinein in die NACHT OHNE NAMEN

Nacht_ohne_Namen

„… Fließende und Fleischliche schließen gelegentlich Pakte. Wir kriegen was von euch, ihr kriegt was von uns. Realität gegen Fließendes Wort. Das heißt, wir können die Gesetze der Natur für euch ein wenig biegen, dafür kriegen wir was von eurer Realität ab. Wir existieren nämlich nicht von uns aus in dieser Welt. Nur durch euch.“ Er öffnete seine zweite Cola und beobachtete nun sie mit einiger Skepsis. „Du sagst gar nichts.“
„Ich soll doch mit den Fragen warten, bis du fertig bist.“
„Ach so, ja. Im Prinzip bin ich fertig.“
Nicki zupfte an einem Salatblatt, das aus ihrem Wrap regte. Eine Weile schwiegen sie sich an.
„Das Rülpsen hat den Auftritt ruiniert, oder?“, fragte er schließlich.

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Diese sechs sind mir im März über den Weg gelaufen

SPIEGEL ONLINE: Und das soll ich lesen? Maren Keller und Sebastian Hammelehle nehmen im Gespräch ein Buch aus der SPIEGEL-Bestsellerliste unter die Lupe. Kurzweilig und subjektiv. Hier wird nicht rezensiert, sondern (spontanen) Gedanken und Meinungen Raum gegeben.

Victoria Schwab ist eine junge US-amerikanische Autorin, die im letzten Jahr mit ihrem Fantasy-Jugendbuch DAS MÄDCHEN, DAS GESCHICHTEN FÄNGT in Deutschland auf sich aufmerksam machte. Dabei hat V. E. Schwab schon ein paar weitere interessante Jugendbücher geschrieben, darunter VICIOUS, das ich mir zu Gemüte führen möchte, wenn mir ihr neuester Streich gefällt. (mehr …)

STADT AUS TRUG UND SCHATTEN: Willkommen in Eisenheim

Es war eines dieser Bücher, um die ich bei Erscheinen voller Neugier herumgeschlichen bin, mich aber aus Gründen nicht herangewagt habe. Der Titel, das Cover, eine junge deutsche Fantasyautorin, der Seraph 2013 für das beste Debüt – all das versprach mir verheißungsvolle Lesestunden und die Entdeckung eines neuen Talents. Erst zwei Jahre nach Erscheinungsdatum, als mich ein Buchkaufdrang überfiel, gab ich diesem nach und holte mir Mechthild Gläsers STADT AUS TRUG UND SCHATTEN ins Haus. (mehr …)

SERAPH 2015: Longlists sind online

Seit ein paar Tagen sind die Longlists für den SERAPH 2015, dem Literaturpreis der Phantastischen Akademie, online. Mich interessieren zuvorderst die Nomininierten für das „Beste Debüt“ und in diesem Jahr sind es die beiden Bastei-Lübbe-Titel, die mich locken können. Außerdem möchte ich Kai Meyers DIE SEITEN DER WELT lesen, weil es von Kai Meyer ist und weil es ein Buch über Bücher ist. Interessant klingt auch Christopher Eckers DIE LETZTE KRÄNKUNG.

Das Schöne am SERAPH ist, dass er die Definition von Phantastik recht weit fasst und über den Tellerrand des Dreigespanns Fantasy-Sci-Fi-Horror blickt, um auch in unüblicheren Gewässern zu fischen. (mehr …)

TOCHTER DER ASCHE: Eine Phoenix in Hamburg

Vor wenigen Wochen, im Oktober, wurden die Gewinner des diesjährigen Deutschen Phantastik Preises bekannt gegeben. Das Buch, das in der Kategorie Bester deutscher Roman gewonnen hat, ist PHOENIX – TOCHTER DER ASCHE von Ann-Kathrin Karschnick. Dank einer wundervollen Wanderbuch-Aktion in einem wundervollen Schreibforum durfte ich den Roman, der bereits im Oktober letzten Jahres erschienen ist, lesen. Die Autorin beschreibt ihren Romans selbst als „Teslapunk-Dystopie-Krimi mit romantischen Ansätzen“ (Quelle: Feathergames) und diese knappste aller Genre-Bezeichnungen trifft es auf den Punkt. (mehr …)

NACHTSONNE von Laura Newman: Meine erste selbstverlegte Lektüre

In einer alternativen Zukunft ist das Leben auf der Erde bedroht. Das Ende der Sonne naht und bevor sie erlischt, dehnt sie sich zu einem Roten Riesen aus, der mit seiner Strahlkraft die Temperaturen auf der Erdoberfläche rasend schnell in die Höhe treibt. Seit mehreren Generationen schon lebt ein kleiner Rest der Menschheit in einer ausgeklügelten unterirdischen Behausung, genannt HUB 1, und hat seitdem das Tageslicht nicht mehr gesehen.

https://i0.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/51OiLAjRbTL.jpgNova ist ein junges Mädchen, dem das Leben vor der Evakuation etwas völlig Unbekanntes ist. Sie fühlt sich aufgehoben im HUB und ist überzeugt davon, dass diese Lebensform für sie und die restlichen fünftausend Menschen in der unterirdischen Siedlung die beste Lösung ist. Ihr behütetes und geordnetes Leben gerät aus den Fugen, als ihr Arbeitskollege Marzellus eine unglaubliche Entdeckung macht: Ein zufällig belauschtes Gespräch lässt vermuten, dass noch weitere HUBs existieren. Das bedeutet, dass die Menschen in HUB 1 möglicherweise nicht die einzigen Überlebenden auf der Erde sind.

Bevor Nova und ihre Freunde dem Gerücht nachgehen können, überschlagen sich die Ereignisse. Ihre heile Welt gerät aus den Fugen, als sie als Verräter vor Gericht gestellt und zu Tode verurteilt werden. In letzter Sekunde gelingt ihnen die Flucht, doch der einzige Weg, ihrer Hinrichtung zu entgehen, führt nach draußen – ins Feuerland.

Wie kam ich zu diesem Buch?

FLUCHT INS FEUERLAND ist der erste Teil der fast abgeschlossenen NACHTSONNE-Chroniken von Laura Newman. Die Bremer Autorin hatte ihr Debüt mit dem Zweiteiler TIME TRAVEL INC., der sich um das Zeitreisen dreht. Für mich war FLUCHT INS FEUERLAND sowohl der erste Roman von Laura Newman als auch der erste einer selbst verlegenden Autorin. Was war ich gespannt!

Über eine YouTube-Buchrezension stolperte ich über das Debüt der Autorin und war gleich angetan von ihrer Art, wie sie ihre Bücher vermarktete. Sie ist gelernte Mediengestalterin und weiß ihr Handwerk zu nutzen. Vom Cover bis zur Autorenhomepage zieht sie in puncto Design die Bewerbung ihrer Bücher professionell und ansprechend auf. Ich gebe zu, ich lasse mich von Äußerlichkeiten – zumindest was selbstverlegte Bücher angeht – schnell locken, oder andersherum gesagt: Ich bin ein ästhetisch pingeliger Mensch und habe kein Erbarmen mit geschmackloser Buchgestaltung. Wie dem auch sei: Ich erwählte FLUCHT INS FEUERLAND als mein Selfpublisher-Testbuch.

Eine reizvolle Idee, die an der Umsetzung scheitert

Das Thema, das NACHTSONNE zugrunde liegt, eine Sonne, die langsam die Erde verbrennt, hat unheimliches Potential für eine rasante dystopische Geschichte. Zu einer repressiven Sozialstruktur, unter der die Protagonisten leiden, gesellt sich eine Naturkatastrophe, vor der es kein Entrinnen gibt. Die Flucht ins Feuerland geschieht also nicht nur vor dem Todesurteil, sondern bedeutet vor allem einen Wettlauf gegen die Zeit.

Ungewöhnlicherweise, aber durchaus passend für actiongeladene Science-Fiction mit einem Schuss Gefühl, erzählt die Protagonistin Nova ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive und im Präsens. Von der ersten Seite an ist man in der Geschichte drin, Informationen gibt es häppchenweise und wenn sie gerade relevant sind. Allerdings hat sich die Autorin mit diesem Stilmittel selbst Steine in den Weg gelegt. Die Art der Erzählperspektive ist alles andere als einfach und verlangt größte Aufmerksamkeit und ein paar erzählerische Kniffe, damit die Geschichte nicht Gefahr läuft, zur Berichterstattung zu werden.

Eine Welt ohne Sinnlichkeit

Das nämlich ist das Problem. Es mangelt am szenischen Erzählen. Es mangelt so stark daran, dass ich behaupten würde, es ist gar nicht vorhanden. Nova, die Erzählerin, erklärt nicht nur ihre Welt, sie erklärt auch ihre eigenen Gefühle, die ihrer Freunde und macht Prognosen zu deren Gedanken. Statt die Figuren und die Geschehnisse durch Handlung für sich selbst sprechen zu lassen, nimmt die Erzählstimme dem Leser alle Möglichkeiten, die eigene Vorstellungskraft einzusetzen.

Dazu kommt, dass wir kaum etwas zu Äußerlichkeiten erfahren. Am Ende des Buchs hatte ich kaum eine Vorstellung vom Aussehen der Figuren und von der Atmosphäre in den HUBs oder im Feuerland. Ich habe weder den Staub des Feuerlands gerochen, noch unter dem künstlichen Licht in HUB 1 gefroren, habe keine Erschöpfung und keinen Schmerz verspürt, nicht das Aroma des gefilterten Wassers oder das eines mehligen Apfels geschmeckt; mir fehlten Numes brennende Tränen um Mailo und Novas Herzklopfen für Joaquim. Wo war die unerträgliche Hitze der riesigen blendenden Sonne, die mich in die Knie zwang und mir die Luft abschnürte? Nichts davon durfte ich erleben. Wie schade, wie unbefriedigend.

Zukunft als Autorin?

Wenn es schon am Wesentlichen hapert, darf man davon ausgehen, dass weitere erzählerische Schwächen, wie blasse eindimensionale Charaktere, ein flacher Spannungsbogen und eine vorhersehbare Handlung, nicht weit sind. Es ist schade um die Idee und um den Aufwand, der betrieben wird, um die Bücher bekannt zu machen. Was die NACHTSONNE-Bücher brauchen, ist eine Rundumerneuerung, eine komplett überarbeitete Fassung.

Bevor Laura Newman also ihre nächste Trilogie veröffentlicht – sie schreibt nämlich recht schnell, wäre ihr geraten, sich zunächst mit dem Schreibhandwerk auseinanderzusetzen, also eine mit literarischen Texten erfahrene Lektorin heranzuziehen und ein paar Creative-Writing-Ratgeber zu wälzen. Ich bin sicher, dass Laura Newman mit etwas mehr Hintergrundwissen zu Regeln und Kniffen des Schreibens, in der Lage wäre, solide unterhaltsame Geschichten zu schreiben. Sonst bleiben ihre Bücher Eintagsfliegen, deren schicke Cover zwar eine erste Schar Leser anziehen, aber inhaltlich schnell vergessen sind.


Laura Newman. Nachtsonne – Flucht ins Feuerland.
Amazon Media EU, 2014.
eBook. 2,99 €.

NOIR: Ein Geistermädchen in Berlin

Ich hatte immer viel übrig für Jenny-Mai Nuyens Geschichten. Hier fand ich, was ich bei vielen anderen bekannten Fantasy-Autoren oft vermisse: Kluge Plots, die immer einen aktuellen Bezug zu unserer Welt und Gesellschaft haben, glaubwürdige, weder-gut-noch-böse Charaktere und eine wunderschöne geschriebene Sprache. Viele Fantasy-Autoren, deutsche wie amerikanische, ersticken an ihrem kommerziellen Erzähl-Brei, wo der Plot schon auf dem Klappentext vorhersehbar ist, die Charaktere dumpf allen Klischees entsprechen, die Dialoge so abgedroschen und flach sind, ebenso der Humor, dass es eine Schande ist. Jenny-Mai Nuyens Geschichten waren da immer anders, direkt aus dem Herzen geschrieben. So auch NOIR. Nie ahnt man, wohin einen die Geschichte weiter trägt und wie sie enden könnte.
Waren Jenny-Mai Nuyens Romane bisher in Fantasy-Welten aus vergangenen Zeiten angesiedelt, so spielt NOIR im Diesseits, es könnte unsere Welt, es könnte unser Berlin sein. Junge Leute, Drogen, Partys, Sex, das alltägliche Leben und ein bisschen Magie. Geister, ein geheimnisvoller Mann, ein noch geheimnisvolleres Mädchen …
Ich möchte hier keine Inhaltszusammenfassung geben, die kann man woanders nachlesen, sondern meine Faszniation für diese Geschichte ausdrücken. Wer düstere, romantische, aber völlig kitschfreie Urban Fantasy liebt, dem wird dieses Buch gefallen. Wer damit leben kann, dass nicht alle Geheimnisse aufgelöst werden, die Geschichte kein allzu kuscheliges Happy End nimmt und dass nicht alles auf der Welt gut wird, nur weil Nino Sorokin und Noir aufeinander treffen, der wird dieses Buch vermutlich sogar lieben. Ich hatte bereits vermutet, bevor ich das Buch in Händen hielt, dass die Autorin hier in anderen Gefilden schwimmen würde. Es ist ein bisschen Zeit seit ihrer letzten Veröffentlichung vergangen, der zweite Teil einer Trilogie, die nicht vervollständigt werden sollte, und die Autorin hat einen großen Entwicklungsschub getan. Schriftstellerisch wie auch persönlich, möchte man meinen. Da ich nur ein wenig älter als sie selbst bin, konnte ich diese Entwicklung sehr gut nachempfinden, als ich diese beim Lesen von NOIR bestätigt sah.
Wie schon gesagt, ich bin vor allem in oben genannten Punkten von Jenny-Mai Nuyens Schreibkunst überzeugt, und so hat sie mich auch mit diesem Roman restlos begeistert. NOIR ist eines meiner „Lieblingsbücher“ geworden, etwas, das mir schon lange nicht mehr widerfahren ist.

Autsch

Welch grausiger Fauxpas, die talentierte Jenny-Mai Nuyen mit dieser Frau zu vergleichen. Die Peinlichkeit ereignet sich auf der Website von 1LIVE, die scheinbar wenig Ahnung von Fantasyliteratur haben. Oder einen ganz üblen Geschmack.

Ich hab sofort nach einer Kommentar-Funktion gesucht, um jemanden dort kräftig anzufahren, aber die gibt es leider nicht, also muss ich auf diesem Wege meinem Missfallen Luft machen, damit die Welt mit mir vor Empörung aufschreit.
Die Sendung werde ich mir natürlich trotzdem anhören …

Jenny-Mai Nuyen

Laut Twitter erscheint ein neuer Roman nächstes Jahr. Das gefällt mir. Sie zählt zu den wenigen, mir wichtigen Fantasyautoren. Ihre Geschichten, ihre Sprache sind immer ein bisschen besonderer, origineller und poetischer. Als persönliches Sahnehäubchen wird die Geschichte in Berlin spielen. Ich hoffe, es wird ein Fantasyroman oder zumindest ein fantastisch angehauchter. In ein magisches Berlin möchte ich sehr gerne eintauchen.

„Dieses Lied verrät ein bisschen“ über den Roman, sagt sie.